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Schlechtes Zeugnis für viele Biotreibstoffe  -   February 16th, 2008 in Technology

Klimabilanz unter Berücksichtigung der geänderten Landnutzung

Laut neuen Studien ist die Klimabilanz herkömmlicher Biotreibstoffe um einiges schlechter als bisher vermutet. Treibstoffe aus Abfallbiomasse oder mehrjährigen Gräsern schneiden jedoch gut ab.

Roman Bolliger

Inzwischen hat es sich herumgesprochen: Biotreibstoffe sind nicht immer umweltfreundlich. Erst letztes Jahr hatte eine an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) erstellte Studie auf Nachteile einiger Treibstoffe für die lokale Umwelt hingewiesen. Den meisten Biotreibstoffen wurde allerdings attestiert, dass sie zumindest zur Reduktion der Treibhausgasemissionen beitragen. Drei neue Studien zeigen nun, dass sich selbst diese Vorteile relativieren, wenn man die geänderte Landnutzung und den Einsatz von Dünger berücksichtigt.

Welche negativen Folgen es hat, wenn zur Produktion von Biotreibstoffen natürliche Ökosysteme zerstört werden, verdeutlicht eine Studie von Joseph Fargione von der Umweltschutzorganisation «The Nature Conservancy» in Minneapolis.¹ Werden Regenwälder, Torfland, Savannen, Grasland oder aufgegebenes Ackerland zu Plantagen von Ölpalmen, Soja, Zuckerrohr oder Mais umgewandelt, führt dies zu einer beträchtlichen «Kohlenstoff-Schuld»: Durch die Rodung und durch langsame Abbauprozesse im Boden wird zwischen 17- und 420-mal so viel CO 2 freigesetzt, wie sich jährlich einsparen lässt, wenn man mit den auf diesen Flächen gewonnenen Biotreibstoffen fossile Treibstoffe ersetzt. Das bedeutet, dass es 17 bis 420 Jahre dauert, bis die Emissionen wieder auf null sind. Anschliessend dauert es noch einmal viele Jahre, bis der bis dahin erfolgte Beitrag zu den Klimaveränderungen kompensiert ist.

Laut einer weiteren Studie, die unter der Leitung des Chemie-Nobelpreisträgers Paul Crutzen erstellt wurde, wird durch den Einsatz von Dünger drei- bis fünfmal so viel Lachgas (ein besonders starkes Treibhausgas) emittiert wie ursprünglich angenommen.² Dies allein könnte die Vorteile von gewöhnlichen Biotreibstoffen ins Gegenteil verkehren. Eine dritte, besonders brisante Studie thematisiert die indirekten Auswirkungen der Biotreibstoff-Produktion.³ Die Energiepflanzen auf bestehenden Ackerflächen anzubauen, ist zwar vordergründig günstig; weltweit ersetzen jedoch Bauern die in der Folge fehlenden Nahrungsmittel durch das Umpflügen neuer Flächen. Dadurch gehen an anderer Stelle bestehende oder sich noch im Aufbau befindende natürliche CO 2 -Speicher verloren. Bioethanol aus Mais von normalem Agrarland hat so gesehen erst nach 167 Jahren «gleich wenig» Emissionen verursacht wie Benzin. Umweltkriterien für Biotreibstoffe, die nur die direkten Folgen einer veränderten Landnutzung berücksichtigen, greifen deshalb zu kurz.

Biotreibstoffe erreichen innert nützlicher Frist nur dann eine positive Klimabilanz, wenn sie aus Abfallbiomasse oder aus Pflanzen hergestellt werden, die kaum Dünger brauchen und die CO 2 -Speicherung im Boden nicht verringern. Dies ist etwa bei speziellen mehrjährigen Gräsern oder bei gewissen Baumkulturen der Fall. Ausserdem ist für eine positive Klimabilanz erforderlich, dass diese Pflanzen nur auf Landflächen angepflanzt werden, die nicht für die Nahrungsmittelproduktion benötigt werden. Laut David Tilman, einem Mitautor der Studie von Joseph Fargione, gibt es genug degradiertes oder verlassenes Ackerland, um etwa 10 bis 20 Prozent des globalen Energiebedarfs für die Mobilität zu decken. Nach Ansicht von Rainer Zah von der Empa sind die Ergebnisse dieser Studien nicht nur für die Diskussion um Biotreibstoffe, sondern auch für die Land- und Forstwirtschaft von Bedeutung

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2 Responses

  1. anyrohemew Says:

    anyrohemew…

    The Poison Arrow Frog

  2. ometetowine Says:

    ometetowine…

    traverse city record eagle

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